Wie digitale Daten den Umzug von 55.000 Objekten möglich machen

Wie zieht man mit über 55.000 historischen Objekten um, ohne den Überblick zu verlieren? Diese gewaltige Logistikaufgabe beschäftigt schon jetzt das Team am Museum für Franken.

Ein Mann und eine Frau in gelben Warnwesten stehen an einem Tisch mit Rollen, Stiften und kleinen Packungen vor grauen Schränken.

Abseits der Besucherströme und hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen für den Depotumzug, auch wenn es bis dahin noch Jahre dauern wird. Bis 2032 soll das gesamte Museum einschließlich seiner Depots in die sanierte Kernburg der Festung Marienberg umziehen. Nur etwa 4000 der insgesamt 55.000 Objekte des Museums sind derzeit Teil der Dauerausstellung für die Museumsgäste sichtbar. Der Rest befindet sich in den Depots. Eines davon ist im ehemaligen Fürstenbaumuseum untergebracht, wo 15.000 der 55.000 Objekte lagern. Die Sanierung dieses Bereichs der Festung steht noch an. Der neue, langfristige Lagerraum ist noch nicht gebaut. Auch die Zwischenlösung steht nicht bereit für die teils hoch empfindlichen Objekte. Dennoch könnte man behaupten, die Vorbereitungen für ihren Transport haben schon über 17 Jahre begonnen. 2009 bekam das Museum den Vorläufer seiner jetzigen digitalen Objektdatenbank. In ihrer Funktion wird sie für den anstehenden Umzug eine wichtige Rolle spielen.


Scan liefert wichtigste Infos aus der Objektdatenbank


Von Gemälden über Möbel und Skulpturen bis hin zu historischen Alltagsgegenständen reicht die Vielfalt der Sammlung. In der Datenbank sind die Informationen der einzelnen Sammlungsstücke hinterlegt und miteinander verknüpft. Für den Umzug muss jedes Objekt eindeutig identifizierbar, fachgerecht verpackt und sicher transportiert werden können. Mit Scanner und QR-Codes läuft zumindest die Identifizierung der Objekte über die Objektdatenbank reibungslos. „Sonst würde das unglaublich aufhalten und wäre zudem eine Belastung für das Objekt“, sagt Saskia Rupp. Rupp und Quirin Eimer, die jeweils für die Inventarisierung und das Sammlungsmanagement am Haus zuständig sind, können dank der QR-Codes die wichtigsten Informationen unmittelbar abrufen – darunter Abbildung, Bezeichnung, Alter, Gewicht und Eigentümer. „Der QR-Code ist die Verbindung der physischen und der digitalen Welt“, erklärt Quirin Eimer.


Digitale Standortverwaltung schützt vor Verlust


Eine von Eimer und Rupps derzeit wichtigsten Aufgaben ist die digitale Erfassung und Barcodierung der Sammlungsobjekte, also die Technik, die Daten als optisch lesbare Striche, Balken oder Muster darstellt. Für die Objekte sind auch ihre Standorte hinterlegt – ebenfalls über eigene QR-Codes. „Ohne Barcodierung wäre es eine endlose Sucherei“, sagt Eimer. Jeder Standortwechsel muss dokumentiert und nachvollziehbar bleiben.
Bevor ein Objekt seinen Platz jedoch verlassen kann, wird sein Zustand überprüft und dokumentiert. Anschließend entscheiden die Restauratorinnen, je nach Material, Größe und Empfindlichkeit, welche Verpackungen und Transportbedingungen erforderlich sind. Ein Gemälde benötigt andere Schutzmaßnahmen als eine Uhr, ein Möbelstück andere als ein Objekt aus Glas. Besonders fragile Stücke müssen zusätzlich gesichert und mit größter Sorgfalt bewegt werden. „Es ist eine Wissenschaft für sich“, sagt Restauratorin Susanne Wortmann, die den Umzug der Objekte leitet.


Zusätzlich Sicherung wegen Bauarbeiten


Die laufenden Bauarbeiten auf der Festung stellen das Museum vor zusätzliche Herausforderungen. Um die 15.000 gelagerten Gegenstände im ehemaligen Fürstenbaumuseum vor möglichen Erschütterungen zu schützen, sind momentan weitere Arbeitsschritte notwendig: Über hundert Uhren im Depot werden von den Restauratorinnen erschütterungsfest gelagert und gesichert. Mehr als 500 Gemälde werden umgehängt und erhalten eine provisorische Stoßdämpfung. Hunderte Objekte aus Glas und Porzellan werden neu eingepackt.
Immer dabei: Quirin Eimer und Saskia Rupp. Mit Scanner und Barcodes sorgen sie dafür, dass ein immer genaueres digitales Abbild des Depots entsteht. Jeder Arbeitsschritt wird digital dokumentiert und bleibt nachvollziehbar. Das ist nicht nur für den aktuellen Umzug von Bedeutung. „Für die Provenienzforschung, der Herkunftsgeschichte der Objekte, ist es wichtig zu wissen, wo ein Objekt aufbewahrt wurde“, erklärt Eimer.
Der QR-Code ist klein. Seine Bedeutung für die Zukunft der Sammlung dagegen ist groß. Wenn die Sanierung der Kernburg voranschreitet und der eigentliche Depotumzug beginnt, wird bereits genau dokumentiert sein, wo sich jedes Objekt befindet, in welchem Zustand es ist und welchen Weg es nehmen soll.
So wird aus der Frage „Wie zieht man mit 55.000 Objekten um?“ ein komplexes Zusammenspiel aus Restaurierung, Inventarisierung, Sammlungsmanagement und digitaler Dokumentation.

Quirin Eimer und Saskia Rupp stehen in gelben Warnwesten vor einem Metallregal mit zahlreichen beschrifteten Kartons und halten Smartphones in einem Lagerraum.
Quirin Eimer und Saskia Rupp behalten den Überblick, wo die Objekte des Museums gelagert sind.
Eine Frau in blauer Schürze und Handschuhen arbeitet an einem vergoldeten Objekt auf einem Tisch, während zwei Personen in Warnwesten im Hintergrund stehen.
Über 100 Uhren im Depot müssen neu verpackt werden.
Eine Frau in blauem Shirt arbeitet an einem weißen Tisch in einem Raum mit großen Vitrinenschränken, in denen zahlreiche kleine Figuren und Uhren ausgestellt sind.
Welches Verpackungsmaterial geeignet ist, unterscheidet sich von Objekt zu Objekt.
Museum für Franken
Museum für Franken
Staatliches Museum für Kunst- und Kulturgeschichte
Festung Marienberg
97082 Würzburg
 

 
Zum Newsletter anmelden