Aufwändige Restaurierung steht an
Warum das Kiliansbanner im Museum für Franken am Kilianstag nicht zu sehen ist

Während ganz Würzburg an Kiliani den Frankenpatron und Schutzheiligen der Stadt feiert, bleibt der eigentliche Star des Ganzen verborgen.

Eine Person steht auf einer Leiter und arbeitet an einer großen Wandmalerei in einem Ausstellungsraum. Um sie herum beobachten mehrere andere Personen das Geschehen vor der Wand, die mit historischen Symbolen und Texten verziert ist.

Das berühmte Kiliansbanner im Museum für Franken ist für Besucherinnen und Besucher unsichtbar. Doch dafür gibt es einen guten Grund: „Manche Schätze müssen für eine Zeit aus dem Blickfeld verschwinden, damit sie für viele Generationen erhalten bleiben“, sagt Museumsdirektor Dr. Richard Loibl. 

Die Fahne aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ist eines der wichtigsten und wertvollsten Objekte im Museum, zudem mit einer Fläche von etwa fünf mal drei Metern eines der größten. Das Banner, eine Leihgabe der Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte, gilt nicht nur als das älteste erhaltene militärische Feldzeichen Deutschlands, sondern auch als eines der ältesten Bildnisse des heiligen Kilians überhaupt. 

Warum ist das Banner derzeit nicht im Museum ausgestellt? 

Wenn das Museum für Franken 2032 in der Kernburg der Festung Marienberg neueröffnet, wird das Banner seinen Platz im Herzen der Dauerausstellung einnehmen. Doch der Weg dorthin ist lang. Veronika Genslein, stellvertretende Direktorin des Museums für Franken, sagt: „Das Kiliansbanner befindet sich noch immer in den Räumlichkeiten des ehemaligen Fürstenbaumuseums. Ein 700 Jahre altes Banner kann man nicht einfach umhängen.“ Allein das Banner möglichst schonend abzunehmen und bis zur erneuten Präsentation fachgerecht zu lagern, stellt eine große konservatorische Herausforderung dar. 

Eine Hightech-Vitrine als neue Heimat 

Katharina Mackert und Laurence Becker sind Expertinnen in Sachen Textilrestaurierung. Zusammen mit den Restauratorinnen des Museums für Franken, Susanne Wortmann und Brigitte Brühl, haben sie ein Konservierungskonzept erstellt. Eine Hightech-Vitrine, klimatisierbar, motorisiert und frei von allen Schadstoffen, soll das Banner zukünftig in seiner ganzen Größe fassen. Um das Material zu schonen, soll das Banner liegend statt hängend präsentiert werden. „Sonst könnte das uralte Gewebe durch sein Eigengewicht Schaden nehmen“, erklärt Dr. Loibl. Statt Tageslicht werden im geplanten Kiliansbanner-Raum im neuen Museum für Franken nur LED-Lampen für Licht sorgen. 

Schritte zur Restaurierung 

Bevor die Restaurierung des alten Feldzeichens in enger Abstimmung mit den Leihgebern beginnen kann, wurde untersucht, wie das Banner ursprünglich ausgesehen haben könnte und welche Bereiche im Laufe seiner rund siebenhundertjährigen Geschichte verändert oder ausgebessert wurden. Gewebeproben wurden entnommen und analysiert. Das Banner besteht aus Leinen, auf dem vermutlich Applikationen aus farbiger Seide und Leder angebracht waren. Die mit Tempera gemalten Konturen von Gesicht und Händen wurden mithilfe von Infrarotstrahlung untersucht. Eine C14- Analyse lieferte zudem Hinweise auf das Alter des Leinengewebes, das nahe an das Jahr 1266 heranreicht. 

Kiliansbanner ist ein Symbol fränkischer Identität 

Mit der Radiokarbonmethode (C14-Methode) lassen sich kohlenstoffhaltige, insbesondere organische Materialien datieren, die zwischen 300 und 600.000 Jahre alt sind. Bei einem etwa siebenhundert Jahre alten Gewebe liegt die Genauigkeit bei plus/minus 20 bis 50 Jahren. Auf der Rückseite des Banners findet sich eine lateinische Inschrift: „Im Jahre des Herrn 1266 fand eine Schlacht am Tag des heiligen Cyriakus statt.“ Es ist gut möglich, dass das Banner tatsächlich von Truppen des Würzburger Domkapitels mitgeführt wurde, die in einem Konflikt um die Bischofsnachfolge siegreich gegen das Heer der Grafschaft Henneberg kämpften. Der Schriftzug wäre dann nach der Schlacht hinzugefügt worden. Es lässt sich jedoch nicht ausschließen, dass die gesamte Fahne erst als Erinnerung an den Sieg gefertigt wurde. 

Der Triumph in der Cyriakus-Schlacht entwickelte sich zu einem Sinnbild für die enge Verbundenheit der Stadt Würzburg mit dem heiligen Kilian als Schutzpatron. Das Banner hing wohl, wenn es nicht gerade für religiöse Prozessionen durch die Stadt getragen wurde, über Jahrhunderte im Dom. Mit der Neueröffnung des Museums für Franken im Jahr 2032 kehrt nicht also nur ein bedeutendes Ausstellungsstück zurück in die Öffentlichkeit, sondern auch ein zentrales Symbol fränkischer Geschichte und Identität. „In ganz einmaliger Weise sind im Kiliansbanner Franken und Würzburg miteinander verwoben. Das passt wunderbar zu unserem Museumsmotto: Von Würzburg auf Franken schauen“, betont Dr. Loibl.

Zwei Personen sitzen an einem Tisch in einem Raum mit einem großen Wandteppich im Hintergrund, der auf einem Gerüst hängt. Die Umgebung ist hell erleuchtet, und es sind Studioleuchten sowie Ausrüstungen im Raum sichtbar.
Laurence Becker und Katharina Mackert haben ein Konservierungs- und Montagekonzept entwickelt.
Zwei Frauen arbeiten zusammen, um ein großes, faltiges Gewebe auf einem Tisch zu glätten. Die Frauen tragen grüne Handschuhe und sind in einem Raum mit künstlicher Beleuchtung und geräumigem Hintergrund, der ein Gestell zeigt.
Die Textilrestauratorinnen überprüfen mögliche Reinigungsmethoden.
Museum für Franken
Museum für Franken
Staatliches Museum für Kunst- und Kulturgeschichte
Festung Marienberg
97082 Würzburg
 

 
Zum Newsletter anmelden