Gojfragility – Annäherungen an jüdisches Leben zwischen Bildern und Blicken

Ab dem 25. Oktober zeigt das Museum für Franken die fotografische Serie „Gojfragility“ von Linea Weber. Die Ausstellung eröffnet neue Perspektiven auf jüdisches Leben in der Gegenwart.

Plakat zur Zweiteiligen Fotoausstellung „Gojfragility“ mit Porträt von Linea Weber, sitzend vor farbigen Stoffen und einer Innenraumkulisse.

Wie sehen wir jüdisches Leben? Welche Bilder haben wir vor Augen – und woher kommen sie? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Künstlerin Linea Weber in ihrer Serie Gojfragility. Ab dem 25. Oktober kann die zweiteilige Ausstellung im Museum für Franken und im Johanna-Stahl-Zentrum besichtigt werden. 

 

Zwischen Alltag, Erinnerung und Gegenwart 

Seit 2024 entwickelt Linea Weber ihre fotografische Serie als visuellen Dialog zwischen einem nicht-jüdischen Blick und jüdischen Perspektiven. Ausgangspunkt war ihre Erfahrung, dass sich die Wahrnehmung jüdischer Gegenwart mit dem Angriff der Hamas auf Israel am 07. Oktober 2023 verändert hatte. Statt jüdisches Leben lediglich zu erklären oder abzubilden, richtet die Künstlerin den Blick deshalb auf die Bilder selbst: auf Vorstellungen, Erzählmuster und Zuschreibungen, die unsere Wahrnehmung prägen. 

Die Fotografien zeigen unterschiedliche Facetten jüdischen Lebens in der Gegenwart. Sie erzählen von einem jungen Mann, für den Krafttraining durch Disziplin und Widerstandsfähigkeit mit seiner jüdischen Identität verbunden ist, von einer Party zum Eurovision Song Contest in einem jüdischen Jugendzentrum in Würzburg und von jungen Menschen, die sich dort kennengelernt haben und heute Veranstaltungen für junge Jüdinnen und Juden in der Region organisieren. Andere Aufnahmen führen zum Gedenkzug anlässlich der ersten großen Deportation aus Würzburg und Unterfranken am 27. November 1941. 

So begegnen sich in Gojfragility Alltag und Feiern, persönliche Erfahrungen, Erinnerungskultur und politische Auseinandersetzung. Die Bilder ergeben kein einheitliches Porträt jüdischen Lebens. Vielmehr eröffnen sie unterschiedliche Perspektiven, die dazu einladen, eigene Erwartungen zu überprüfen und genauer hinzusehen. 

Ein Perspektivwechsel als Beitrag gegen Antisemitismus 

Die Ausstellung setzt sich mit der Frage auseinander, wie Bilder und Erzählungen gesellschaftliche Vorstellungen formen und welche Verantwortung damit verbunden ist. Denn Vorurteile entstehen nicht nur durch offene Feindseligkeit, sondern können auch in vermeintlich selbstverständlichen Bildern und wiederkehrenden Darstellungen fortbestehen. 

Gojfragility lädt dazu ein, diese Muster zu erkennen und zu hinterfragen. Damit leistet die Ausstellung einen Beitrag zur Aktionswoche gegen Antisemitismus, die vom 25. bis 31. Oktober in Würzburg stattfindet und jüdisches Leben in Geschichte und Gegenwart in den Mittelpunkt rückt. 

Das Wort „Goj“ stammt aus dem Hebräischen und bedeutet so viel wie „Nation“ oder „Volk“. Es wurde ins Jiddische übernommen und als Bezeichnung für Menschen, die nicht jüdisch sind verwendet. Noch heute ist eine „Gojete“ oder ein „Goj“ eine „Andere“ oder ein „Anderer“. Die Künstlerin spielt also bewusst mit ihrem Ausstellungstitel, Stereotypen und Realitäten der Gegenwart. 

Für ihre Arbeit wurde Linea Weber 2025 mit einer Auszeichnung des ADC Talent Award des Art Directors Club Deutschland gewürdigt.

Museen sind nicht neutral – sie tragen Verantwortung 

Museen tragen gesellschaftliche Verantwortung. Sie entscheiden mit darüber, welches Wissen vermittelt wird, welche Geschichten erzählt werden und welche Perspektiven sichtbar werden. Als Museum für Franken sind wir uns dieser Verantwortung und Aufgabe bewusst. Wir möchten Wissen zugänglich machen, überlieferte Sichtweisen kritisch hinterfragen und Menschen dazu anregen, sich mit Geschichte und Gegenwart auseinanderzusetzen. Denn Bildung bedeutet für uns nicht nur, Wissen zu vermitteln, sondern auch neue Perspektiven zu eröffnen, Dialog zu ermöglichen und Vorurteilen entgegenzuwirken. Mit Gojfragility möchten wir neue Perspektiven eröffnen und Dialoge ermöglichen, die zu einer offenen und vielfältigen Gesellschaft beitragen.

Führung mit der Künstlerin am 31. Oktober

Wer mehr über die Entstehung der Fotografien und die Gedanken hinter der Serie erfahren möchte, hat am Samstag, den 31. Oktober, Gelegenheit dazu: Um 15 Uhr führt Linea Weber persönlich durch Gojfragility im Museum für Franken. Im Anschluss ist Raum für einen gemeinsamen Rückblick auf die Aktionswoche, Fragen und Diskussionen. 

 

Auf einen Blick: Goj Fragility – Linea Weber

Die Ausstellung ist Teil der Aktionswoche „Würzburg gegen Antisemitismus“. Weitere Informationen zum Programm finden sich unter: https://wue-gegen-antisemitismus.de/

Museum für Franken
Museum für Franken
Staatliches Museum für Kunst- und Kulturgeschichte
Festung Marienberg
97082 Würzburg
 

 
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