Ein Blick ins Pferdegrab: Das Museum für Franken bereitet frühmittelalterlichen Fund für die neue Dauerausstellung vor

Skelette zweier Pferde ohne Kopf und das eines Hundes mit zertrümmerter Schädeldecke: Das frühmittelalterliche Pferdegrab aus Zeuzleben gibt Einblicke in die Bestattungsrituale der Merowinger.

Eine Frau zeigt in einer Museumsvitrine auf einen Punkt neben einem Tierknochen-Exponat, während ein Mann davor sitzt und eine Broschüre hält.

Für die neue Dauerausstellung ab 2032 untersucht das Museum für Franken, wie dieser außergewöhnliche Fund sicher transportiert und künftig präsentiert werden kann. 

Das Pferdegrab gehört zweifellos zu den ungewöhnlichsten und zugleich eindrucksvollsten Objekten der archäologischen Sammlung des Museums. Die Knochen lassen auf die Bestattungsrituale der Merowingerzeit schließen und erzählen von einer Gesellschaft, die offensichtlich einen Totenkult mit reichen Grabbeigaben pflegte. Die Skelette stammen von einem Gräberfeld aus dem 6. Jahrhundert nach Christus, das der Landwirt und Sammler Fridolin Beßler 1983 in Zeuzleben im Landkreis Schweinfurt entdeckte. Bei den Ausgrabungen kamen 68 Grabstätten mit menschlichen Skeletten zutage. In zehn dieser Gräber waren zusätzlich Pferde und Hunde beigesetzt. Da einige der menschlichen Gräber Reitzubehör wie Pferdetrensen und Ketten enthielten, vermuten Forschende einen Zusammenhang zwischen den Tierbestattungen und Gräbern hochrangiger Reiter. 

Ein Hundeskelett liegt in der Erde zwischen den Knochen zweier Pferde in einer flachen Glasvitrine.
Zwei Pferdeskelette ohne Kopf und die Knochen eines Hundes befinden sich im Pferdegrab.

Den Pferden war der Kopf abgeschlagen worden, das Hundeskelett des Museums weist Frakturen am Schädel auf, die wohl von Axthieben stammen. Für Benjamin Spies, Kurator und Sammlungsleiter der Archäologie, deuten die Knochenbefunde daraufhin, dass die Tiere gezielt im Rahmen der Bestattungsriten eines Adeligen getötet wurden. Wie genau diese abliefen und welche Vorstellungen damit verbunden waren, lässt sich aus dem Fund allerdings nicht rekonstruieren. 

Das Pferdegrab wurde "im Block geborgen". Das bedeutet, dass die Tierskelette immer noch in der originalen Erde liegen, in der sie gefunden wurden. So blieb der archäologische Zusammenhang erhalten. Seit 1984 befindet sich das Grab in der Dauerausstellung, nachdem Beßler es dem Museum für Franken geschenkt hatte. Wie es in den 1980er Jahren als restauratorische Maßnahme üblich war, wurden die Knochen und Erde mit Kunstharzen gefestigt. Überschüssige Erde wurde durch Leichtbaumaterial wie Blähtonkugeln ersetzt – jene kleinen Kugeln, die man sonst aus Pflanzenkübeln kennt. So wurde das Gewicht erheblich reduziert und das Grab somit transportabel. 

Demnächst steht dem außergewöhnlichen Fund erneut ein Standortwechsel bevor: Das Museum für Franken soll vom ehemaligen Zeughaus in die Kernburg der Festung Marienberg ziehen, die derzeit saniert wird. Auch in der neuen Dauerausstellung soll das Pferdegrab zu sehen sein. Für eine erste Einschätzung, wie das Grab am besten zu seinem neuen Standort gebracht werden kann und dort für die Besuchenden zugänglich gemacht werden soll, haben sich Benjamin Spies und die Restauratorinnen Brigitte Brühl und Ines Hofmann beraten. Das Grab müsste für seinen Umzug über zwei Burghöfe transportiert und dafür vorübergehend senkrecht aufgestellt werden. „Anders bekommen wir es nicht von seinem derzeitigen Standort nach draußen“ sagt Spies. 

Ob die vor Jahrzehnten verwendeten Materialien und Befestigungen noch ausreichend stabil sind oder sich inzwischen Teile gelöst haben, soll die aktuelle Untersuchung zeigen. Erst danach lässt sich beurteilen, welche Maßnahmen für den sicheren Transport und die künftige Präsentation notwendig sind. Nach ersten Proben scheint das Grab stabil. „Falls alles gut geht und die Konstruktion hält, ist eine Überlegung, ob das Grab in der neuen Ausstellung dann auch senkrecht an der Wand gezeigt wird“, sagt Spies. Das würde eine neue Perspektive erlauben und man könnte deutlich näher an das Grab treten. 

Wer bis dahin die Skelette in ihrer bisherigen Lage begutachten will, der kann dies in der Archäologie-Abteilung im Museum für Franken tun.

Drei Personen stehen in einem Museum um eine verglaste Ausstellungsfläche, im Hintergrund stehen helle Vitrinen und Fenster.
Ines Hofmann, Benjamin Spies und Brigitte Brühl beraten sich am Pferdegrab.
Museum für Franken
Museum für Franken
Staatliches Museum für Kunst- und Kulturgeschichte
Festung Marienberg
97082 Würzburg
 

 
Zum Newsletter anmelden