Vom Klassenzimmer ins Museum
Werke von Jonna und Lorenz angekauft
Jonna Fischer und Lorenz Greshake sind noch keine etablierten Namen in der Kunstszene. Lorenz besucht derzeit die zwölfte Klasse der Freien Waldorfschule Würzburg. Jonna hat nach ihrem Abitur eine Ausbildung begonnen. Dennoch haben es die Bilder der beiden bereits in eine museale Sammlung geschafft.
„Kein Raum für Worte“ des 17-Jährigen und "(Sch)merz" der 19-Jährigen wurden vom Museum für Franken angekauft. Für Veronika Genslein, stellvertretende Direktorin des Museums für Franken, ein konsequenter Schritt: „Wir sind nicht nur ein kunsthistorisches, sondern eben auch ein kulturhistorisches Haus. Das heißt wir sammeln auch Politik, Geschichte und Zeitgeschehen. Hier ist wichtig, was die Jugendlichen über ihr Hier und Jetzt im Jahr 2026 denken. Und wie sie es in ihrer Kunst verarbeiten.“
Auf die Bilder aufmerksam geworden ist die Museumsleitung während der Finissage-Woche der Ausstellung „1525- Franken fordert Freiheit*en“. In diesem Rahmen waren diese und weitere Werke von anderen jungen Nachwuchstalenten bereits im Museum für Franken ausgestellt. Projektgruppen der Waldorfschule Würzburg erarbeiteten in Kooperation mit dem Museum für Franken und Dr. Pia Beckmanns Demokratie-Initiative pics4peace e.V. ein Programm aus Musik, Tanz, Sprache, Film und bildender Kunst. Dafür beschäftigten sich die Jugendlichen intensiv mit den Fragen von Demokratie, Frieden und gesellschaftlichem Engagement und schlugen einen Bogen von der Zeit des Bauernkriegs in ihre eigene Lebenswelt.
Der Erwerb der Arbeiten macht ihren dokumentarischen Wert sichtbar. Die Perspektiven der nächsten Generation gehören ins Zentrum der gesellschaftlichen Erinnerung. Jonna Fischer stellt in „(Sch)merz“ auf 50 mal 50 cm Leinwand Friedrich Merz dar, grau und mit ernstem Gesicht hebt er sich von dem bunten Hintergrund ab. Auf dem Bild hat die Figur Redeverbot. Die Künstlerin protestiert damit gegen seine Aussage zum Stadtbild und andere umstrittene Äußerungen des Kanzlers.
Lorenz Greshake wählte einen anderen Ansatz: „Unsere Meinungsfreiheit ist eine große Errungenschaft, die wir schützen müssen.“ Sein etwa ein mal zwei Meter großes Werk setzt dazu bewusst einen Kontrast. In Stencil Art – mit Schablonen und Sprayfarbe auf Holz – zeigt er zwei einander gegenüberstehende Figuren mit aufgerissenen Mündern und neonfarbenen Ohrenschützern. Die eine, glatzköpfig und in Bomberjacke, hält einen Baseballschläger. Die andere, mit Dreadlocks, weiten Hosen und bauchfreiem Top, trägt ein Schild mit der Aufschrift „Kill anyone who’s against us“ – „Töte jeden, der gegen uns ist“. Lorenz sagt dazu: „Die gegenteilige Meinung nachzuvollziehen oder ihr überhaupt zuzuhören scheint kaum noch möglich. Stattdessen werden Positionen immer lauter und radikaler vertreten.“
Lorenz weiß, wovon er spricht. Er engagiert sich politisch und ist Mitglied bei der Jungen Union. Ob er nach dem Abitur eine Karriere als Maler einschlagen will? „Kunst soll eher ein Hobby bleiben“, sagt er. Dass das Museum sein Bild gekauft hat, freut ihn aber.
Auch Jonna blickt nach vorn. Sie hofft, sich noch an vielen weiteren Ausstellungen beteiligen zu können. Die angehende Floristin sagt: „Mir ist es wichtig, etwas Künstlerisches zu machen.“ Mit ihrem ersten Bild in einem Museum ist sie auf einem guten Weg.