Im Kesselwagen auf Fahrt ins Jenseits
So war die Lange Nacht der Wissenschaft 2026
Die späte Bronzezeit im Fokus der Langen Nacht der Wissenschaft im Museum für Franken in Würzburg am 30. Januar 2026
Einen spannenden und nicht nur für Archäologie-Interessierte kurzweiligen Abend bot die inzwischen dritte „Lange Nacht der Wissenschaft“ am 30. Januar 2026 im Museum für Franken in Würzburg. Im Mittelpunkt stand diesmal die späte Bronzezeit – und damit, wie Organisator und Moderator Benjamin Spies betonte, „zwei absolute Highlights unserer Sammlung“: der Kesselwagen von Acholshausen und die Hortfunde vom Bullenheimer Berg.
Rund 230 Gäste verfolgten die Vorträge vor Ort in der Festung Marienberg, bis zu 80 weitere nahmen erstmals über einen Livestream an der Veranstaltung teil.
Mit den Professoren Frank Falkenstein (Universität Würzburg), Carola Metzner-Nebelsick (LMU München) und Thomas Terberger (Universität Göttingen) konnten drei ausgewiesene Expertinnen und Experten für die Zeit zwischen 1300 und 800 v. Chr. gewonnen werden. In kompakten Kurzvorträgen präsentierten sie ihre aktuellen Forschungen zu unterschiedlichen Aspekten der späten Bronzezeit.
Den Auftakt machte Prof. Frank Falkenstein, der ausgehend vom Bullenheimer Berg die Bedeutung spätbronzezeitlicher Höhensiedlungen in Franken beleuchtete. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf deren Rolle im überregionalen Fernhandel.
Im zweiten Vortrag rückte der bekannte Kesselwagen von Acholshausen in den Mittelpunkt. Prof. Carola Metzner-Nebelsick nutzte dieses außergewöhnliche Fundstück als Ausgangspunkt für ihre Überlegungen zu den religiösen Vorstellungen der späten Bronzezeit.
Zum Abschluss nahm Prof. Thomas Terberger das Publikum mit ins Tollensetal in Mecklenburg-Vorpommern. Dort kam es um 1250 v. Chr. zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit vielen Toten, an der offenbar auch Kämpfer aus Süddeutschland beteiligt waren.
In der abschließenden Diskussionsrunde hoben die Referentinnen und Referenten hervor, wie eng die spätbronzezeitlichen Gesellschaften Europas bereits durch Handel und Austausch miteinander vernetzt waren. Auf diese Weise verbreiteten sich nicht nur Waren, sondern auch Glaubensvorstellungen über weite Teile des Kontinents, während Konflikte zunehmend überregionales Ausmaß annahmen.
Auch abseits der Vorträge wurde den Gästen ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm geboten. In den Pausen präsentierten sich unter anderem die Gesellschaft für Archäologie in Bayern, das Archäologische Spessartprojekt, die Grabungsfirma Archäologische Dienstleistungen Wolff sowie die Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte mit Informations- und Messeständen. Zudem waren die Informationsdesigner Julian Grein und Bjarne Hausschildt zu Gast, mit denen das Museum derzeit ein PC-Spiel entwickelt. In diesem können Spielende als Praktikantin am Museum Einblicke in die Arbeitswelt der Archäologie gewinnen.
Wer den Abend verpasst hat oder die Vorträge noch einmal ansehen möchte, findet diese auf dem YouTube-Kanal des Museums für Franken.